Die steigende Komplexität der Werkstücke, die unsere Anwender täglich zu fertigen haben, ist auch in den CAM-Arbeitplänen deutlich zu erkennen. Diese weisen immer öfter mehrere Hundert Arbeitsschritte auf. Für die Fertigungsplanung, die ja neben der Generierung von Werkzeugwegen eine der zentralen Aufgaben eines CAM-Systems ist, ist das eine echte Herausforderung. Die Anforderungen sind ziemlich klar: Sinnvolle Möglichkeiten zur Strukturierung müssen her, um den Überblick zu behalten, ein schneller Zugriff auf einzelne Klassen wie Werkzeuge, Anstellungen, Feature, eingesetzte Makros usw. muss möglich sein, Verwendungsnachweise für diese Elemente, wie z.B. welches Werkzeug wird in welchen Arbeitsschritten eingesetzt, werden benötigt, um Auswirkungen von Änderungen schnell zu erkennen.
Apropos Änderungen, gerade für solche großen Arbeitspläne ist es wichtig, dass zwischen den genannten Elementen assoziative Verknüpfungen durch die Software hergestellt werden. Es muss möglich sein, ein Werkzeug, ein Makro usw. zu ändern und wahlweise alle damit verknüpften Arbeitschritte automatisch zu aktualisieren, ohne irgendeine weitere Interaktion.
Diesen Herausforderungen stellen wir uns als CAM-Softwarehersteller beim Entwurf von Softwarearchitekturen, immer wieder. Hier hilft oft ein Blick über den Rand des CAM-Tellers hinaus. Nicht jedes Konzept muss von Null beginnend selbst entworfen werden. Schon die Griechen glaubten, dass sich Realität über Muster und Grundformen organisiert, die erkennbar und wieder verwendbar sind. So griffen sie in ihrer Architektur immer wieder auf diese bewährten Grundmuster und -formen, wie die Gestaltung und Anordnung von Säulen, die Einhaltung bestimmter Proportionen, zurück. In vielen Disziplinen haben sich im Laufe der Zeit solche Lösungsmuster herausgebildet, die das jeweilige Erfahrungswissen wiedergeben und in vielen Situationen mit Erfolg angewendet wurden. Es reicht also, möglichst viele von ihnen zu können und schon stellt sich der Erfolg praktisch von selbst ein – nein, natürlich nicht. Fast alle erfolgreichen komplexen Systeme, zu denen auch CAM-Software mittlerweile zweifellos gehört, stellen eine Mischung aus Innovation und dem effizienten, kostensparenden Einsatz bekannter Vorgehensweisen und Gestaltungsprinzipien dar. Deren Kenntnis (oder Unkenntnis) für ein bestimmtes Fachgebiet macht letzten Endes den Unterschied aus, zwischen Profi und Amateur, zwischen Experte und Laie. Im Software Engineering sprechen wir von Entwurfsmustern, deren Kenntnis und durchdachte Anwendung kann den Unterschied zwischen robuster, wartbarer Software und solcher, die heute schon die Probleme von morgen schafft, darstellen.
Auch beim Entwurf von solch komplexen, interaktiven Planungssystemen wie CAM-Software können sie große Hilfe leisten. Im Kern haben wir die gesamte Benutzeroberfläche mit ihren vielen Dialogen, Listendarstellungen usw. vollständig von der Basisfunktionalität abgetrennt und die entstandenen Module über wohl definierte Schnittstellen verbunden. Dadurch können diese Module oft unabhängig voneinander mit begrenztem Aufwand angepasst werden. So stellt unsere Exzellenz im Software Engineering neben unserem Know-how für die Fertigung den zweiten großen Asset der OPEN MIND Technologies AG dar.
Beides verbessern und erweitern wir kontinuierlich, um auch in Zukunft CAM-Lösungen für eine immer komplexer werdende Fertigung entwickeln zu können.
Verfasst von Hagen Rühlich